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Donnybrook 27.1.1913

Friedrich Feldner an seine Eltern und Familie in Rumbach

Donnybrook, 27. Januar 1913

Liebe Eltern, Schwestern und Schwäger,

liebe Mina, Deinen lieben Brief und Bild haben wir erhalten gerade auf Weihnachtsabend, dafür wir Dir herzlich danken, etwas schöneres hättest Du uns nicht schicken können. Was uns mehr gefreut hat, wir hätten Dich nicht gekannt. Du bist schon so alt und der kleine Willi ist so groß. Wie es sonst bei Euch geht, haben wir in dem Brief gesehen. Es ist gewiß hart für Dich, weil Du so alleine bist und hast die alten Eltern zu versorgen. Der .... weint jedes mal wenn er Euren Brief liest und sagt, er möchte jetzt nicht mehr naus. Sein Vater tät ihn doch nicht mehr kennen und die Mutter war auch so krank. Ist sie jetzt wieder gesund?

Wir hatten letztes Jahr auch ein hartes Jahr. Der Adolf hat den Fuß gebrochen gehabt. Die Pferde sind ihm durchgegangen und der Wagen ist ihm über den Fuß gerade am Knöchel. Ist jetzt wieder geheilt, geht aber lahm. Es ist der Fuß, wo er ... gehabt hat vor acht Jahren zurück. Wie das nun war, hat sich der Lydia ihr Karl, das größte Kind von Karl Bintz, zwei Finger abgeschossen, ... gleich am Daumen und gleich am Zeigefinger in der linken Hand. Ist jetzt gut geheilt. Er hat eine Dynamitpatrone in einem leeren Haus gefunden und hat es angezündet. Das Gesicht war auch verschunden, ist aber gut geheilt. .... das tut der Emil der Lydia Schuld geben und sie ist dann von ihm fort. Sie war bei uns und bei Carl. Sie ist jetzt wieder zu ihm. Wir haben letzte Woche einen Brief von ihr bekommen. Sie schreibt, er ist jetzt viel besser als vorher. Ich und Vater sind so ziemlich gesund. Natürlich, man hat immer zu klagen, aber so lange man nicht muß im Bett liegen ists doch nicht so schlimm. Der Carl ist jetzt elf Jahre verheiratet und dies Frühjahr kommt das siebente, schreibt aber nichts davon. Die Luise ist den ganzen Winter bei ihnen. Ich glaube, wie älter dass man wird wie (härter) dass man schlafen muss. Wir hatten dies Jahr auch wieder nicht viel gemacht. Die Ernte war so ziemlich gut, aber der Preis ist zu niedrig, das Vieh ist sehr teuer, das Fleisch kostet 15-18 Cents, Schweinefleisch 20-25 Cents, Gardoffeln 20-25 Cents, 60 Pfund oder 1 Buschel, Butter 30-35 Cents. ....

... Welcher Karl Friedrich hat ein Haus gebaut dem Schumacher sein Bruder oder sein Sohn. Wir thun die Mina Görtler sehr bedauern. Das ist härter als wenn eins stirbt. Dann weiss man, dass es versorgt ist. Warum ist er so geworden, haben sie nicht gut gelebt? Der Fritz hat sich verheiratet. Er hat eine schöne junge Frau. Sie ist erst 15 Jahre alt. Ihre Eltern sind Franzosen, haben ein Gasthaus in Donnybrook. Ihr Name war Marie Dumall. Die Hedwig hat auch diesen Monat noch Hochzeit, ihr Bräutigam heisst Oscar [Kinnard]. Es ist ein schöner Bub, 25 Jahre alt und hat 180 Acre Land, Pferde und alle Maschinerie. Somit macht sie eine gute Partie. Ich denke, Ihr werdet bald ihre Bilder bekommen. Der Heinrich und Adolph sind auf dem Heinrich seiner Farm und gehen auch auf die Freierei und das ist immer zwei .... .... .... .... Die Luise ist jetzt beim Carl. Die ist so groß und dick und wiegt 130 Pfund und ist 15 Jahre alt. Der Harold ist so groß und viele Leute meinen, er ist 15 Jahre alt, ist erst 13 bis nächsten August. Er helft dem Vater schon viel.

[Ein Stück von Hedwigs Brautkleid eingeklebt]

Die Hedwig hat den 10. Januar Hochzeit gehabt. Da ist es lustig zugegangen. Die haben getanzt bis morgens 9 Uhr, die hat viel schöne Geschenke bekommen. Sie und Lydia und Heinrich wohnen jetzt ganz nahe beisammen. Es ist von uns drei Stunden. Wir haben dieses Jahr einen guten Winter. Es war von anfangs Winter nicht kalt und hat ganz wenig Schnee draussen. Im Moment ist es ziemlich kalt, minus 34 Grad Celsius. Sonst war's vierzig. Ich wills Euch noch schreiben, dass wir seit letzten Sommer die Telefon im Haus haben. Alle die Farmers können miteinander sprechen. Wir und Carl und Fritz und alle die Nothweilerer da können wir uns alle miteinander unterhalten und brauchen nicht aus dem Haus.

Ich will jetzt schließen in der Hoffnung, dass Euch dieser Brief so gesund antrifft, wie er uns verläßt. Viele Grüße von allen unseren Kindern und von Vater.

Luise und Friedrich Feldner.

Wie unter Schnee und Eis des Morgens zarter Triebe so grünt in unseren Herzen Erinnerung fort der Liebe. Viele Grüße an Kindelbergers, Friedly Ludwig, Schneider Mina und alle Freunde und Bekannte.