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DIE FAMILIEN KUNTZ, BINTZ & FELDNER IN NORD DAKOTA
Die Geschichte der Kuntz Familie beginnt in Nothweiler im Jahre 1876, als Phillip Kuntz, Sohn von Georg Heinrich
Kuntz und Margaretha Grüny, 26 Jahre alt und Eva Elisabeth Bintz, Tochter von Friedrich Wilhelm Bintz und Eva Elisabetha Rauch, 24 Jahre alt, heiraten. Nachdem die
Familie 6 Kinder bekommt ( 1878 Heinrich, 1880 Alice, 1882 Carolina, 1884 Philipp, 1886 Friedrich, 1888 Louis) beschließt die Familie nach Amerika auszuwandern.
Von Antwerpen / Belgien reist man mit der SS Westernland nach New York City, wo man am 30.11.1892 ankommt. Die SS Westernland, 14
Knoten schnell und 132 Meter lang, konnte in der ersten Klasse 80, in der zweiten Klasse 60 und der dritten Klasse 1200 Passagiere befördern. Meistens allerdings reisten die deutschen Auswanderer in der 3.Klasse.
Von New York fuhr die Familie geradewegs nach Clara City, eine Stadt mit
1300 Einwohner, im Chippewa County in Minnesota, wo bereits Familienmitglieder ansäßig waren. Wer die Familienmitglieder waren, war bisher nicht festzustellen
Phillip Kuntz war in Nothweiler als Förster tätig gewesen und hatte dort die zu schlagenden Bäume markiert. Er arbeitete
eine Weile im Holzwald von Clara City, ließ sich dann aber mit seiner Familie 8 km nördlich der Stadt auf einer Farm nieder.Später bewarb er sich um ein Stück Land in Donnybrook, Nord Dakota, wo der
Rest der Bintz Familie bereits siedelte.
In Donnybrook, einem Ort der Größe Nothweilers, lebten ebenfalls die Feldners aus Rumbach mit ihren 10 Kindern. Sie waren im Mai 1892 angekommen. Die Tochter Lydia heiratete später einen Karl Bintz aus Nothweiler. Heute leben
über 200 Nachkommen der Feldners in Canada und den USA . Briefe der
Feldners aus der Zeit zw. 1893 –1939 zu ihren Verwandten in Rumbach beschreiben das harte Leben in Nord Dakota. Seltsamerweise aber werden
darin die anderen Familien aus Nothweiler nicht erwähnt.
Landanwärter mussten damals mindestens 6 Monate eines Jahres auf diesem
Stück Land leben, nach 5 Jahren wurden sie überprüft, um dann das Land als Eigentum zu bekommen. Die Siedler versuchten oftmals die Häuser so dicht
wie möglich zum Nachbarn zu bauen, über die Straße oder an die Grenze.
Ein Foto der zweiten, seit jahrzehnten verlassenen, Feldner Farm verdeutlicht
die “Nähe” zum Nachbarn. ( aufgenommen 1997 in Donnybrook, ND)
Die Familie Kuntz bekam 1894 und 1898 zwei weitere Kinder, Charles und Louise Lydia.
Vier “Ein-Raum-Schulen” wurden zwischen 1906 und 1910 in Donnybrook
gebaut. Das Mittagessen brachte man in 2 Liter Sirupeimern zur Schule. Unterricht war jeweils 3 Monate im Frühjahr und im Herbst.
Die Prärie in ein Feld umzuwandeln war eine schwere und entmutigende
Arbeit. Das Land war steinig und zuerst mussten die Steine aufgelesen werden. Dazu wurden auch Pferde zu Hilfe genommen. Manchmal mussten Ketten um die Steine gelegt werden, und mehrere Männer wurden gebraucht
um sie zu bewegen. Eggen wurden von 3-4 Pferden gezogen und trotzdem dauerte es einen ganzen Tag um einen halben Hektar zu pflügen. Im Herbst,
zur Ernte, mussten die Farmersfrauen für bis zu 20 Arbeiter Essen kochen.
Die ersten Jahre in Donnybrook mussten die Kuntz zusätzlich Knochen von Büffeln sammeln und verkaufen. Als die Familie nach Nord
Dakota kam waren allerdings nicht mehr viele davon übrig. Die letzte große Büffelherde Donnybrooks war bereits 1880 getötet worden. Noch bis in die 1970er Jahre konnte man die Pfade der Büffelherde erkennen.
( Familie Kuntz 1898) Für die Frauen war es schwierig ihre Familien mit so wenig zu versorgen. Um den Holz- oder Kohleofen schnell anheizen zu können, verwendete man getrockneten Kuhmist.
Gleichzeitig wurden zehn und mehr Laibe Brot gebacken. Der Garten versorgte die Familie vom Sommer bis spät in den Herbst. Im Keller unter dem Haus
verwahrte man Vorräte. Beeren und Pflaumen wurden eingemacht und Äpfel in Körben verwahrt. Im Winter strickte man Socken, Strümpfe, Mützen und Schals und nähte
Kleider für die Mädchen. Der Boden wurde mit hangemachter Seife geschrubbt bis er weiß war. Am “Badetag” mussten zig Eimer Wasser geholt und geheizt werden.
Besonders hart war Wäschewaschen im Winter. Die Wäsche fror auf den Leinen und war kaum trocken zu bekommen, in Nord Dakota sind die Winter besonders lang und kalt.
Für die Männer war der Winter auch keine Erholungszeit. Das Vieh musste gefüttert und gemolken werden und die Ställe gemistet. Mit einer “Seilmaschine” stellten sie Seile für das Vieh her.
Die Familien Butler, Kuntz, Wittes, Jordy und Bintz ( und sicher auch die Feldners) lebten in einem Umkreis von 3 Kilometern. Besuche zwischen den
Familien wurden meistens Sonntags nach der Kirche gemacht. Aber selten blieb man zum Essen, die Zeiten waren zu hart.
In dieser Zeit schickte man nur nach dem Arzt wenn ein wirklicher Notfall
vorlag. Und wenn es um Leben und Tod ging. Der Arzt musste abgeholt und zur Farm gebracht werden, aber er kam immer, egal wie weit der Weg war oder
wie schlecht das Wetter. Kinder wurden ohne Arzt zur Welt gebracht, man betrachtete das als natürlichen Vorgang und begnügte sich mit der Hebamme.
Donnybrook ist ein nettes kleines Dörfchen im Des Lacs Flußtal, ca. 25 km
nordwestlich von Minot. Es hatte seine besten Zeiten als die Kuntz Familie eintraf. Man zählte um 500 Einwohner. Es gab 2 oder 3 Lebensmittelgeschäfte, 2 Läden in denen man Gerätschaften für Haus und
Feld kaufen konnte, 2 Friseure, eine Apotheke, eine Fleischerei, 2 Mietställe , 2 Banken, bis zu 5 Getreidespeicher, ein Zeitungsladen, ein Hutgeschäft für
die Damen, 2 Holzhandlungen, und 2 Arztpraxen. Wahrscheinlich begann sein Niedergang um 1905. Der Zensus 1910 zählt 297 Einwohner und 1960 nur noch 196.
Farm und Viehzucht lohnten nicht mehr, und die Einführung des Automobils
ließ die Leute Arbeit in den Städten suchen.
Philipp Kuntz wurde am 5 November 1904 in Ward County, North Dakota amerikanischer Staatsbürger.
Eva Elisabeth Kuntz stirbt in den 1930er Jahren in Ward County, Philipp 1937 in Woodland Californien.
Die Ur-Enkelin von Philipp Kuntz , Leilani Spring, hat die Fakten über die
Kuntzfamilie gesammelt und im Internet veröffentlicht.
Anmerkung: In Nord Dakota wird man sich der Weite der Prärien bewusst. Das Land ist
flach und der Himmel endlos, Felder und Farmen, mehrere hundert Meter voneinander entfernt. Die Feldner Farm ist seit Jahrzehnten verlassen, aber es leben immer noch
Feldner Nachkommen in Donnybrook. Wahrscheinlich hat die Familie Kuntz sehr ähnlich gelebt. Karl Bintz *1875, der seinem Schwarm aus Kindertagen
gefolgt war, starb 1904 und hinterließ seine Frau Lydia Feldner (geb. 1884 in der Hauptstr. 33 in Rumbach) mit zwei kleinen Kindern in Alberta, Canada.
Lydia heiratete erneut und bekam 8 weitere Kinder. Ihr erster Sohn Carl Bintz jr. wurde nur 16 Jahre alt. Ihr zweiter Mann mißhandelte sie und die Kinder.
Sie packte ihre Habe und die 10 Kinder auf einen Wagen und verließ ihn. Später wurde sie geschieden. Mit 94 Jahren besuchte Lydia zum ersten Mal
seit ihrer Auswanderung Rumbach. Sie starb kurz vor ihrem 101. Geburtstag in Edmonton, Canada. Bis zu ihrem Tod hat sie von ihrem Besuch in Rumbach
erzählt. Als einziger ihrer Kinder lebt noch Herbert * 1915 der fast sein ganzes Leben lang als Trapper in einer Hütte in der Wildnis Canadas lebte.
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