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Die Gründung von Parchment, MI
Als eines von 6 Kindern kommt 1816 Elisabeth Kindelberger im kleinen pfälzischen Dorf Nothweiler,
nahe der elsäßischen Grenze, zur Welt. In der Zeit von 1833-49 bekommt sie 7 Kinder in Nothweiler und Niedersteinbach, F.. Von keinem ihrer Kinder ist der Vater bekannt. Drei der Kinder sterben früh.
Eines ihrer Kinder ist der in Nothweiler im Januar 1842 geborene Johannes Kindelberger. Er und seine Schwester Luise werden im Haushalt von Georg Spiry und Magdalena Specht in
Nothweiler aufgezogen. 1847 und 1850 bekommt Elisabeth in Niedersteinbach zwei weitere Söhne, Jakob und Philipp .
Noch nicht volljährig verliebt sich Johannes Kindelberger in Ottilia Fröhlich aus Bundenthal. Er, illegitimer Sohn einer Mutter mit 5 unehelichen
Kindern und evangelischen Glaubens. Sie Katholikin. Gehen wir davon aus das die beiden durchgebrannt sind.
Jedenfalls tauchen sie 1865 in England wieder auf, wo sie in der St.Georges German Lutheran
Church im County Middlesex in England heiraten und in London, er in einer Zuckerraffinerie und sie als Spinnerin, ihren Lebensunterhalt verdienen Die
Familie wohnt in der Buckle Street Nr.17 und bekommt ihr erstes Kind, Tochter Mary. Die Arbeit in diesen Londoner Raffinerien war eine der schwersten in
dieser Zeit und wurde vornehmlich von Deutschen gemacht.
Aus noch nicht bekannten Gründen kommen Johannes und Ottilia vor 1870
wieder zurück in die Pfalz. Von 1871 - 80 kommen in Rumbach 5 weitere Kinder zur Welt.
1880 wandert die Familie wieder aus, diesmal
nach Amerika. Mit der “Algeria” landen sie am 29.April in New York. Zuerst lässt man sich in Cinncinnati, Ohio nieder. Sein Bruder Philipp ist bereits 1871 dorthin ausgewandert. Johannes
und Ottilia ziehen über Dayton nach West Carrollton in Ohio, wo sie sich niederlassen. Ottilia stirbt 1910 in Dayton OH, Johannes 1928 in Californien
Johannes Sohn Jakob, das mittlere von 7 Geschwistern, geb. 1875 in Rumbach,
leidet sosehr unter einer Sehschwäche, dass er nicht Lesen und Schreiben kann und sein Geld mit dem Auflesen von Kohle, Botengängen und dem Austragen
von Wäsche verdient. Als 10-jähriger arbeitet er bereits in der selben Mühle wie sein Vater und sortiert dort für 25 Cents pro Tag Tücher. Da er keine Brille hat,
lernt er die Tücher nach Gefühl zu sortieren. Mit 13 darf er an einer Papiermaschine arbeiten. Mit 15 verspottet er den Pfarrer und wird ausgelacht.
Er beschließt nach diesem Erlebnis endlich “jemand zu werden” und widmet sich daraufhin ganz der Kirche. Mitglieder der Kirchengemeinde erkennen seine Fähigkeiten und ermuntern ihn Lesen und Schreiben zu lernen.
Mit 19 bekommt er die erste Brille. 21-jährig
übernimmt er den Job als Schulpförtner und geht in seiner Freizeit zur Schule. Er machte solche Fortschritte, dass er anschließend die Universität besuchen konnte. Seinen Lebensunterhalt
verdiente er nebenbei mit dem Verkauf von Büchern, Hutregalen und Dampfkochern. Nach 3 Jahren College waren seine Augen so überanstrengt, dass er seine Karrierepläne als
Pfarrer aufgab und stattdessen ein erfolgreicher Verkäufer von Dampfkochern wurde. Vom Besitzer der Papiermühle bekam er einen Job als Papierverkäufer angeboten, nicht ahnend, dass
Jakob sich darin bereits auskannte. Um 1905 heiratet Jakob Lucinda Faulkner, mit der er Sohn Jacob Burns bekommt.
1909 bekommt Jacob die Chance eine alte Zuckerrübenfabrik nördlich Kalamazoos in Michigan zu kaufen, leiht sich 30.000 $ und gründet mit anderen die
“Vegetable Parchment Company”, eine Papierfabrik . Mit 34 Jahren ist Jakob Kindelberger der Geschäftsführer der Firma. Von 1916 -36 wird Jakob der Präsident der Kooperation.
Die ersten Arbeiter der Papierfabrik lebten in Zelten um die Mühle, oder kamen mit Booten aus Kalamazoo. Als die Firma wuchs, vergrößerte sich auch die
Siedlung. 1915 ließ die Firma 6 Häuser bauen. Später legte man eine neue Straße an, die “Oak Grove”, die erste der Stadt und baute acht weitere Häuser.
Die Arbeiter bekommen die höchsten Löhne und die Fabrik ist als die “sauberste Papiermühle der Welt” bekannt. Jacob Kindleberger , der nur
“Onkel Jake” genannt wird, und ein Komitee der Gemeinde erstellten den Plan für eine Modellstadt. Bereits 1930 lebten 511 Menschen um die Fabrik. Parchment trennte sich 1939 von Kalamazoo und wurde selbständig.
Unter der Leitung von Jakob Kindleberger machten die Fabrik und die Gemeinde große Fortschritte. Neue Straßen wurden gebaut, Abwasserkanäle verlegt, Ampeln
gebaut, eine Schule und ein Gewerbegebiet angelegt. Da die Fabrik die meisten Ausgaben für Polizei, Wasser, Kanalisation, Straßen und die Unterhaltung des
Parks trug, waren die Steuern für die Einwohner niedrig..
Die Depression traf in den 1930er Jahren auch die Parchment Company. Damit seine Arbeiter ihre Familien ernähren
konnten ließ Jakob sie für die Stadt arbeiten und zahlte ihnen dafür Lohn.
Jakob Kindelberger war ein Philanthrop und gläubiger Christ. Er war in zahlreichen Wohltätigkeitsvereinigungen tätig und
sein soziales Engagement war einzigartig. Er antwortete auf die Frage was sein Hobby sei: “Für die Gemeinde zu arbeiten, nicht Golf spielen.”
Er starb 1947 im Alter von 71 Jahren in Kalamazoo. Seine Frau Lucinda 7 Jahre nach ihm.
Ihr einziger Sohn Joseph Burns Kindleberger war weiterhin in der Firma des
Vaters tätig und führt dessen Lebenswerk fort. Er starb allerdings schon 1952 mit nur 45 Jahren. Er hinterließ 3 Töchter..
Heute hat Parchment kanpp 2000 Einwohner. Jährlich finden im Kindleberger Park das “Kindleberger Summer Festival of the performing Arts”,
die Kindleberger Parade und das
Kindleberger Theater Festival statt.
Jakob Kindleberger, Enkel der Elisabeth aus Nothweiler wird immer noch als Stadtgründer geehrt.
Elisabeth Kindelbergers anderer Sohn Philipp, 1949 in Niedersteinbach geboren, kämpft im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, wahrscheinlich auf
französischer Seite. Mit dem Geld, das er erhalten haben soll, bezahlt er 1871 die Überfahrt mit der “England” nach Amerika und siedelt in Cinncinnati, OH.
1875 heiratet er die Deutsche Anna Schlenker. Mit ihr und in zweiter Ehe mit ihrer Schwester Mary hat er insgesamt 10 Kinder. Bei der Einwanderung gibt er
an Franzose zu sein und das Französisch seine Muttersprache ist. Während des ersten Weltkriegs ändert die Familie ihren Namen in Kindel aus Sorge vor anti-deutschen Ressentiments.
Die meisten der Kindel Nachkommen leben heute in den Bundesstaaten Kansas und Ohio.
Elisabeths Tochter Luise ist zweimal in Niedersteinbach verheiratet und hat mit
3 Männern 9 Kinder. Ihre Nachkommen mit den Namen Kindelberger, Todt und Rau leben im Elsaß. Sohn Jakob heiratet 1881 in Niedersteinbach Luise Kochert aus Nothweiler und hat einen Sohn.
Quellen:
- persönliche Korrespondenz mit Lucy Kindleberger Myers, USA, Nachfahrin Jakob Kindlebergers
- persönliche Korrespondenz mit George Kindel, USA, Urenkel Philipp Kindlebergers
- Recherchen im Internet über Parchment und Kalamazoo, Michigan
- Recherchen im Standesamt Dahn und von Shirley Harmon bei der LDS in Salt Lake City
- Nothweiler Families 1500-1850 von Dennis A.Kastens
- Private Datenbank unter www.kindelberger.de
- Statistik von Parchment
- Schiffe
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