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Bürgemeister-Erinnerungen machen alte Zeiten lebendig

Notizbuch von Heinrich Kindelberger veröffentlicht

Rumbach. Vor 50 Jahren ist Ortsbürgermeister Heinrich Kindelberger gestorben. Über drei Jahrzehnte stand er an der Spitze der Wasgaugemeinde. Er hat die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise ebenso miterlebt wie den Nationalsozialismus,. das Kriegsende ebenso wie das beginnende Wirtschaftswunder. Seine Erinnerungen, die er in einem Notizbuch niedergeschrieben hatte, sind nun in Buchform erschienen.

In früheren Zeiten wurden Geschichten über das Dorf und die Heimat von Generation zu Generation weitererzählt,  mancher Winterabend wurde so — in den Zeitenvor Radio und Fernsehen - gefüllt. Heute geraten solche Geschichten zunehmend in Vergessenheit, wenn es nicht immer wieder Leute gäbe, die ihre Erlebnisse niederschreiben. Heinrich Kindelberger, der 1885 geboren wurde, war einer dieser Chronisten.

In einem über 100 Seiten starken großformatigen Notizbuch, das heute im Besitz seiner Enkel ist, berichtet er über seine Jugend in der alten Rumbacher Mühle, das harte Leben der Bauern, ihrer Verbundenheit mit dem Dorf und der Heimat. Nach dem Ersten Weltkrieg, dessen Schrecken er an der Westfront erlebte, wurde der gerade erst 35-Jährige im Jahr 1920 zum ersten Mal zum Bürgermeister gewählt und blieb es mit kurzer Unterbrechung bis 1952. Detailreich berichtet er über die Personen und Ereignisse, die während dieser Zeit das Schicksal des Dorfs bestimmten: Von der Gründung der Rumbacher Spar- und Darlehenskasse, vom Bau der Wasserleitung und der Wasgenwaldbahn, über die Dorflehrer, Pfarrer und Ärzte. Mit Schmunzeln liest man die Anekdoten über die kleinen und größeren Streitereien und Tragödien.

Die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs nehmen besonders breiten Raum ein. Kindelberger erzählt vom Druck, in die NSDAP einzutreten, von der Gleichschaltung der landwirtschaftlichen Organisationen, der Einrichtung eines Lagers des   Reichsarbeitsdienstes, schließlich vom Bau des Westwalls. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs begann eine besonders schwere Zeit für Rumbach, der Evakuierung der Bevölkerung folgte der „Wiederaufbau" des Dorfes, bei dem sinnlos alte Häuser abgerissen wurden. Eindrucksvoll wird geschildert, wie im Winter 1944/45 die Kämpfe Rumbach erreichten und die Bevölkerung sich in Felsstollen   verstecken  musste. Schließlich erfährt man von der schwierigen Nachkriegszeit, Besatz, Entnazifizierung und Wiederaufbau.

Das Buch hat 125 Seiten, 28 Abbildungen und kostet 9,90 Euro. Es ist bei den Dahner Buchhandlungen, der Bäckerei Gerlach sowie im Haus Waldeck in Rumbach und direkt bei den Herausgebern Michael Friedewald und Andrea Kindelberger in Rumbach erhältlich. Bestellungen können darüber hinaus außerdem über das Internet getätigt werden. (PZ)

Quelle:
Publikation: Pirmasenser Zeitung
175. Jahrgang, Nr.207
Datum: Dienstag, den 06. September 2005
Seite: Nr.15