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Was die

Rat ”faule Bierbank-Gesellschaft" genannt

RUMBACH/NOTHWEILER: Erinnerungen des ehemaligen Bügermeisters Heinrich Kindelberger

Wer denkt nicht gerne mal zurück an frühe Kindertage, ans Beisammensein in der Stube, an die Erzählungen von Vater und Mutter oder die Geschichten von Opa? Das war oft interessanter als der spannendste Krimi und lässt sich auch heute nicht von dem besten Fernsehprogramm toppen. Aber gibt es sie heute noch, die erzählenden Großeltern und die interessierten Enkel?

Von einem Mann, der viel im Leben zu erzählen hatte, wissen die Rumbacher und Nothweilerer schon lange Zeit. Doch er hat seine Erlebnisse nicht nur mündlich weitergegeben, er hat sie fein säuberlich aufgeschrieben. Wenn es sich, wie bei Heinrich Kindelberger, auch noch um einen “Eingeborenen” handelt, der der Gemeinde über 30 Jahre als Bürgermeister vorstand, viel Verantwortung im Dorf übernommen und auch noch zwei Weltkriege überstanden hat, dann sind dessen Notizen für die örtliche Geschichte schon von besonderer Bedeutung.

Diesen Stellenwert haben auch die beiden Rumbacher Michael Friedewald und Andrea Kindelberger erkannt und dazu entschlossen, den Inhalt des über 100 Seiten umfassenden vergilbten Notizbuches, das sich im Original bei den Enkeln in Rumbach befindet, zu veröffentlichen. Michael Friedewald hat sich vorwiegend um den Text bemüht, diesen redigiert, ihn jedoch so weit wie möglich in der überlieferten Form belassen. Seine Frau Andrea hat den Part der Illustration übernommen. Mit dem Verlag Pfälzer Kunst Dr. Hans Blinn, Landau, wurde eine Druckerei gefunden, die das Lebenswerk in die rechte Form brachte. Vor wenigen Tagen nun verließ das Büchlein die Druckpresse und kann jetzt erworben werden. Unter dem Titel “So manchen Idealisten habe ich aber versinken sehen im Strudel der Zeit” schildert das Büchlein beeindruckend die Erinnerungen des Bürgermeisters Heinrich Kindelberger.

Der Rumbacher berichtet aus Kindertagen in der alten Rumbacher Mühle, die einmal am Ortsausgang Richtung Schönau stand. Er erblickte dort am 6. April 1885 das Licht der Welt. Vom Alltag der Bauern ist da zu lesen, von der Verbundenheit mit der Heimatscholle und auch vom Dorf in vergangenen Zeiten. Und da wird es für die Ortsgeschichte interessant. Wenn der Bürgermeister beispielsweise von der Ortsschule und den Lehrern berichtet oder den Dorfpfarrern, zu denen die Gemeinde meist ein gutes Verhältnis pflegte. Eine Ausnahme zeigt das Tagebuch jedoch auf. Schmunzelnd liest man von der Beleidigungsklage des Gemeinderates um 1870 gegen Pfarrer Notter, weil dieser den Rat eine “faule Bierbank-Gesellschaft” genannt hatte. Vom Dorfleben um 1900 erfährt der Leser aus erster Hand: Von der Gründung der Rumbacher Sparkasse, vom Bau der Wasserleitung, des Stromnetzes und der Wasgenwaldbahn. Die harten Jahre der Kriege nehmen in den Erzählungen einen breiten Raum ein und sind bestückt mit persönlichen Erlebnissen. Gleiches gilt für die schwierigen Nachkriegsjahre. (na)

Das Büchlein im DIN-A 5-Format hat 125 Seiten und kostet 9,90 Euro. Es ist bei den Dahner Buchhandlungen und bei den Herausgebern in Rumbach, übers Internet unter “www.kindelberger.de”, sowie der dortigen Bäckerei und im Haus Waldeck erhältlich.

RACKOWM / RACKOWM

Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Pirmasenser Rundschau
Datum: Nr.190
Datum: Mittwoch, den 17. August 2005
Seite: Nr.15